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Zeitungsartikel „Lesen, was andere hören“

23.03.2019 | Schriftdolmetschen

Diese Woche erschien in der Amberger Zeitung ein Artikel über meine Tätigkeit als Schriftdolmetscherin. Ganz besonders freut es mich, dass die Redaktion meiner Bitte nachgekommen ist und nahezu vollständig meinen selbst verfassten Artikel übernommen hat. Hier können Sie ihn im Original nachlesen.

Amberger Zeitung, erschienen am 20.03.2019:

Lesen, was andere hören

Die Zahl der Hörbeeinträchtigten nimmt seit Jahren stetig zu. Und sie steigt weiter. Grund ist unter anderem der demografische Wandel. Mit einer höheren Lebenserwartung geht naturbedingt auch eine Verschlechterung des Hörvermögens einher. Aber Bianka Kraus aus Neumarkt hat da eine Idee.

Amberg. (tk) Aufgrund des angehobenen Renteneintrittsalters sehe viele Betroffene ihren Arbeitsplatz gefährdet. „Doch plötzlich hörgeschädigt zu sein, bedeutet in der Arbeitswelt heutzutage nicht mehr automatisch den vorzeitigen Ruhestand“, ist sich Kraus sicher. Da Betroffene jedoch nicht benachteiligt sein dürfen, besteht für sie ein Rechtsanspruch auf einen Schriftdolmetscher. Die Kosten hierfür übernehmen diverse Träger. Derzeit wissen allerdings nur die wenigsten Betroffenen, dass sie diesen gesetzlichen Anspruch haben.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, ist zum Vortrag „Schriftdolmetschen – der Schlüssel zu einer barrierefreien Kommunikation“ eingeladen. Beginn ist am Mittwoch, 27. März, um 19 Uhr im Sprachenraum des Raseliushauses an der Zeughausstraße. Anmeldungen sind über die Volkshochschule (10 12 38) möglich.

Aber was macht ein Schriftdolmetschen überhaupt? Bianka Kraus: „Es handelt sich dabei um eine Form der Kommunikationshilfe, die im Hinblick auf die Tätigkeit dem Gebärdensprachdolmetschen gleichgestellt und in allen Lebensbereichen einsetzbar ist. Dabei werden neben Äußerungen des jeweiligen Sprechers auch Zwischenrufe und Umgebungsgeräusche in Echtzeit verschriftlicht. Ihnen bleiben somit zum Beispiel auch keine Wortspiele oder ein Scherz am Rande verwehrt.“

Wie eine Maske

Dabei hilft ein spezielles Gerät, das wie eine Maske aussieht: „Der Text erscheint je nach Situation auf einem Bildschirm oder einer Leinwand und kann sofort mitgelesen werden. Dadurch, dass ihnen keine Informationen mehr entgehen, können Betroffene am gesellschaftlichen Leben teilhaben und sind voll integriert.“ Der Beruf des Schriftdolmetschers lasse sich jedoch keinesfalls mit dem einer Bürokraft gleichstellen. Eine schnelle Tippgeschwindigkeit allein reiche nicht aus. Beim Schriftdolmetschen handele es sich um eine auf den Betroffenen zugeschnittene Dienstleistung. Grad und Zeitpunkt des Eintritts der Hörschädigung seien ausschlaggebende Faktoren dafür, wie der Text produziert wird.

Wichtig ist der Neumarkterin vor allem: „Man darf eines nicht vergessen. Betroffene haben das Recht auf denselben Wissensstand wie Hörende und einen Anspruch auf eine professionelle Form der Kommunikationsübertragung.“ Hörschädigung sei zudem jedoch keine Frage des Alters. Auch junge Menschen können laut Bianka Kraus davon betroffen sein.

International tätig

Bianka Kraus ist bundesweit und international tätig. Zudem ist sie Fachübersetzerin für Ernährung und Gesundheit in den Sprachen Französisch, Englisch, Deutsch und vom Landgericht Nürnberg-Fürth für die französische Sprache öffentlich bestellt und allgemein beeidigt.

Bildunterschrift: Bianka Kraus, eine zertifizierte Schriftdolmetscherin, macht gesprochene Wörter sichtbar.
Bild: Wolfgang Steinbacher

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